#SpruecheUnsererMuetter

Hallo mal wieder,
heute bin ich ein wenig im Internet rum gesurft und bin auf einen Artikel in der Hamburger Morgenpost gestoßen mit dem Titel : #SpruecheUnsererMuetter
Neugierig klickte ich darauf und las den Inhalt. Schnell erblickten meine Augen schreckliche Dinge die ich selbst schon oft genug in meinem Leben gehört hatte.
Ich empfand den Autoren gegenüber enormes Mitleid aber da war ein seltsames glückliches , erleichtertes Gefühl. Ja, das klingt nun zwar Verstörend aber ich war froh das zu lesen und zu wissen ich bin nicht allein. Die Mutter an und für sich wird ja immer noch als scheinbar heiliges Wesen gesehen. Sie hat einen Menschen zur Welt gebracht , sie liebt ihr Kind bereits bevor sie es kennenlernt sie hat ein Kind 9 Monate unter ihrem Herzen getragen und unter Schmerzen zur Welt gebracht… Bla bla bla … Nein , eine Mutter ist kein Garant für Liebe. Wenn man mit einer Mutter wie meiner oder die der anderen #SpruecheUnsererMuetter Autoren gestraft ist denn ist das ganz sicher ein Garant für seelische Narben und tiefe Traurigkeit.
Ich habe so viele schlimme Sachen bei meiner Mutter erlebt und gehört. Von ein paar davon möchte ich euch erzählen. Also Achtung: Trigger Gefahr!
Am 10.10.2005 ist mein Bruder unerwartet an einer Hirnblutung verstorben. Als wenn das nicht schlimm genug gewesen wäre versuchte meine Mutter Martina sich mal wieder das Leben zu nehmen. Sie fraß mal wieder Diazepam und betrank sich. Angesichts des Todes meines Bruders ist das wohl auch irgendwie nachvollziehbar das man versucht sich zu betäuben. Es kam wie es kommen musste und die Polizei stand vor der Tür nachdem Martina schreiend auf dem Balkon stand. Martina fuhr Katherine und mich hart an das wir die Polizei loswerden sollen. Also belogen wir mal wieder die Beamten. Mittlerweile hatten wir da ja Routine drin. Aber ich hatte Angst. Selbst von tiefer Trauer zerfressen musste ich mal wieder stark sein für Martina und Katherine. Ich gab den Beamten einen dezenten Hinweis das sie strake Medikamente genommen haben und sie kamen daraufhin in die Wohnung. Kurz darauf kam der Rettungswagen und nahm sie mit. Katherine und ich sind denn mit dem Fahrrad hinterher ins Krankenhaus. Das Bild was wir vorfanden war schrecklich. Martina war an Händen und Füßen ans Bett gefesselt , schrie und tobte. Die Schwester schob uns gleich wieder aus dem Zimmer und sagte wir dürfen erst später zu ihr wenn es ihr besser geht. Es vergangen scheinbare endlose Stunden bis ein junger , sehr netter Arzt zu uns kam und uns sagte das sie Martina in die Psychiatrie Rickling bringen würden. Es wäre besser für sie um die Trauer professionell verarbeiten zu können. Daraufhin sagte er wir könnten zu ihr , sie hätte sich beruhigt.
Erneut in dem Zimmer angekommen war sie immer noch gefesselt und sie weinte bitterlich. Katherine und ich legten unseren Kopf an sie und versuchten sie zu trösten. Sie bat uns sie los zu machen was die Schwester aber strikt verboten hat. Wir haben ihr erklärt das sie mit nach Rickling muss um sich zu erholen. Ihre verweinten Augen veränderten sofort ihr Äußeres und es sprühte der Hass aus ihr.
Sie tobt trotz der Fesseln heftig und im nächsten Moment erstarrte sie quasi. Ich ging erneut zu ihr und wollte sie trösten da kamen diese Worte die ich bis heute nicht vergessen kann:
„Ich wünschte du wärest an seiner Stelle gestorben , du bist das Kind was ich immer am meisten gehasst habe!“
Ich war 13 Jahre alt. Hat euch schon mal jemand ins Gesicht gesagt das er oder sie sich euren Tod wünscht?
Das wünsche ich wirklich niemanden. Das ist tatsächlich eins der schlimmsten Dinge die mir passiert sind.
Ich glaube der Tod von meinem Bruder Joachim hat sie komplett gebrochen. Wenn es vorher schon schwer war mit ihr war es danach unerträglich. Mit 16 Jahren bin ich denn von zuhause weggelaufen und kurze Zeit später in meine eigenen 4 Wände gezogen. Katherine ist bereits mit 13 Jahren freiwillig in eine Jugendwohngruppe gezogen und ich denke Joachim hat ähnliches wie wir erlebt und ist ebenfalls früh zu Martinas Tante Astrid gezogen.
Als ich denn also alleine die letzten 3 Jahre vor meinem Auszug alleine mit Martina lebte häufte sich der Horror. Früher hatte Katherine das alles abbekommen und ich hatte ein relativ angenehmes Leben bis auf ihre Alkohol und Drogenexzesse sowie der gehäuften Selbstmordversuche. Und jetzt war ich nicht mehr nur noch ihre Krücke , Lebensgefährte sondern auch der Blitzableiter. Sie machte mich verantwortlich für ihr gescheitertes Leben. Es standen Dinge wie :
„Ich hätte dich im Kinderbettchen ersticken sollen!“
„Du bist ein kaltes , herzlose Monster.“
„Dich wird nie jemand lieben!“
„Du vergiftet alle um dich herum!“
„Wegen dir bin ich alleine weil du alle Männer in meinem Leben vergrault hast.“
„Du hast mein ganzes Leben zerstört.“
„Du bist ein niemand.“
„Du bist krank und gestört“
Naja und vieles mehr. Neben der seelischen Grausamkeit standen für früher Katherine ( vermutlich Joachim bereits vor uns) und denn für mich Schläge auf der Tagesordnung. Einmal schlug sie mir so fest ins Gesicht das ich das Gefühl hatte ich würde Ohnmächtig werden. Zudem kratzte Sie mir mit ihren Krallen des Bösen das ganze Gesicht blutig. Das war der Tag an dem ich weglief. Ich nahm meine Schulsachen , ein paar Klamotten und meine Ratte Morty und lief raus. Draußen traf ich ein bekanntes Gesicht aus der Schule und erzählte weinend was passiert war und bat darum mich zu meiner damals besten Freundin Joana zu bringen. Ab da wurde mein Leben wirklich besser. Meine Ausbildung begann , ich zog nach Hamburg in meine eigene Wohnung , ich lernte neue Leute kennen, ich hatte einen neuen Freund und ohne Martina war mein Leben so viel besser.
Ich ahnte damals aber noch nicht das es nie vorbei sein würde mit ihren seelischen Foltermethoden.
Ab und an hatten wir immer wieder kurz Kontakt weil ich mich zu dem Zeitpunkt immer noch nach einer normalen Familie sehnte und ich dachte irgendwann würde sie sich ändern. Naja 10 Jahre später weiß ich mittlerweile das sie so sterben wird und sie sich nie ändern wird. Sie reißt mit sich alles in den Abgrund also ist es besser viel Abstand zu ihr zu waren.
Mit 17 Jahren wurde ich krank. Ich hatte immer wieder schwere Mandelentzündungen die so schwer verliefen das ich eine Blutvergiftung bekam und der Arzt sagte die Mandeln müssen dringend raus. Ich brauchte also ihre Einverständniserklärung für die OP. Verängstigt von der bevorstehenden OP rief ich sie an und und bat sie die Einverständniserklärung für den Eingriff zu unterschreiben. Sie lachte nur und sagte kalt und bitterböse :
„Ich würde nicht mal etwas unterschreiben wenn dein Leben davon abhinge , du kannst meinetwegen dreckig verrecken.“

Naja daraufhin folgten ein paar Termine mit dem Jugendamt , einem Anwalt und dem Amtsgericht und ihr wurde im Eilverfahren das Sorgerecht entzogen und ich hatte auf einmal medizinische Selbstbestimmung. Ab und an musste ich mich bei einer Dame vom Hamburger Jugendamt melden das es mir gut ging aber man sah meine geistige Reife und traute mir zu im Jahr vor meiner Volljährigkeit für mich selbst zu sorgen.
Aber wenn ich das grade so niederschreibe glaube ich immer noch das Katherine es wesentlich schlimmer getroffen hat als ich. Solange wie ich mich erinnern kann wurde Katherine von Martina geschlagen , gedemütigt und missbraucht. Ich kann mich noch gut dran erinnern wie sie Katherine immer sagte das sie genauso hässlich sei wie ihr Vater , sie dumm ist und das nie etwas werden wird. Sie schlug sie fast täglich. Und einmal erinnere ich mich das sie sie gezwungen hat sich auszuziehen und sich vor ihr selbst zu befriedigen weil Katherine eh nur ihre ( Zitat) „Fotze“ im Kopf hat und sie sich von jedem ficken lässt wie bereits im zarten Alter von 8 Jahren von dem Nachbarsjungen. Ich glaube Katherine ist an diesem Martyrium zerbrochen. Sie ist starke Borderlinerin und am ganzen Körper zerschnitten. Manchmal würde ich sie einfach gerne anrufen und ihr sagen das es mir leid tut das ich immer nur zugesehen habe. Aber wir haben auch schon seit vielen Jahren kein Kontakt mehr. Wobei ich glaube mittlerweile hat sie ihr Leben so gut wie im Griff. Sie hat einen kleinen Sohn namens Elias , laut Facebook wohl glücklich vergeben und mein letzter Stand ist das sie eine Ausbildung gemacht hat. Ich wünsche ihr vom Herzen das sie irgendwann die Qualen unserer Kindheit vergessen kann beziehungsweise damit Leben kann. Ähnlich wie ich hat sie bereits schon viele Therapien hinter sich und hat ziemlich unter der fehlenden Mutterliebe gelitten.
Naja , das waren nur ein kleiner Einblick in die #SpruecheUnsererMuetter.
Eine Mutter zu sein heißt nicht liebevoll zu sein. Und wenn Du oder Ihr ähnliches erlebt habt lasst euch nicht einreden das ihr an eurem Leid selbst schuld seid. Niemand hat drum gebeten geboren zu werden und niemand außer eure Mütter bzw. auch Väter anderes ist schuld an den Narben die ihr heute tragt wegen dem was ihr erlebt habt. Und wer keine Kinder möchte soll verhüten oder gefälligst die Beine zusammen lassen.

Manche Tage…

Heute ist mal wieder ein guter Tag und ich möchte euch etwas von den schönen Seiten meines Lebens erzählen bevor ich nach und nach meine Vergangenheit nieder schreibe.

Die letzten Tage waren sehr düster , ich grübelte und fiel wieder in alte Muster. Die Decke über den Kopf und weinend , versunken in Selbstmitleid. Warum das ganze? Hmm die Hochzeit der Schwester meines Freundes hat mich getriggert. Es war ein schönes Fest , eine bewegende Hochzeit und eine Familie die eng zusammen hält. Das hat mich glücklich gemacht anzuschauen , aber auch traurig weil ich an meine eigene Hochzeit von vor 4 Jahren denken musste.

Ben…

er wird früher oder später ein eigenes Kapitel einnehmen in diesem Tagebuch.

Was ich eigentlich erzählen wollte war von meiner Hochzeit … der Fotograf bat alle Familienangehörigen zu uns aufs Foto. Bens Familie bei ihm und meine bei mir. Naja auf meiner Seite stand nur Thomas, mein geliebter Cousin.  Thomas war schon immer da , fast jede schöne Erinnerung habe ich mit ihm. Er ist auch zu der standesamtlichen Trauung nach Gibraltar geflogen um mein Trauzeuge zu sein. Die Trauung war wirklich sehr zauberhaft und ich denke auch gerne an diesen Moment zurück. Nur mittlerweile weiß ich halt das der Moment perfekt war aber nicht den Mann den ich gewählt hatte.

So da war er nun. Ich als Familien Krüppel  auf einer Hochzeit. So ein bittersüßer Schmerz. Tage vorher überschlugen sich die Erinnerung an meine „Familie“ ,meine Hochzeit , das harte Trennungsjahr sowie die Scheidung vor kurzem.  Da war mein Dämon wieder in seiner vollen Blüte. Er flüsterte mir was für ein nutzloser und nicht liebenswürdiger Mensch ich bin.  Alles was man mir über Jahre eingeredet hat brodelte hoch. Mein neuer Freund Falk ( zusammen seit Januar 2018) verzweifelte fast an mir und verstand meine betäubende Traurigkeit nur schwer, aber immer wieder legte er sich zu mir, kuschelte sich in meinen Rücken und hielt schützend die Hand auf meinen Kopf. Ich habe immer das Gefühl er merkt wenn mein Dämon wieder da ist und versucht mich mit seiner Hand zu schützen.  Aber der Dämon ist stark, stärker als die liebe die Falk mir geben kann. Zerfressen von meinem Selbsthass entfachte ich immer wieder Streit um diesen inneren Druck los zu werden und mich irgendwie auch selbst zu bestrafen. Manchmal glaube ich das ich es nicht verdient habe glücklich zu sein.  Und jetzt grade summt mir das Lied von einer meiner Lieblingsbands „Hämatom – Warum kann ich nicht glücklich sein“ im Kopf.

Glücklich sein fängt bei einem selber an, im eigenen Kopf. Ich habe soviel gutes in meinem Leben und dieses schlechte was mir wieder fahren ist kann hier stehen , sollte aber nicht meine Gedanken beherrschen.  Ich habe mittlerweile einen wirklich tollen Job wofür ich 4 Jahre hart gekämpft habe. Ich habe zwei wundervolle Hunde , Bella und Akira die mich nicht nur einmal aus meinem Loch gezogen haben. Ich habe Falk , der liebt alles an mir was ich hasse glaube ich manchmal. Er ist bedingungslos. Denn habe ich tolle Freunde die meine Familie sind. Marcel , seit 2006 mein Bruder im Geiste. Mein Fels in der Brandung , meine Motivation wenn ich sie verloren habe und mein guter Geist. Marion und Benny , die mir meine Fehler verziehen haben und mich auch kennen wenn ich nicht der Klassenclown bin. Sven mein Ziehpapa der mich damals sogar zum Altar geführt hat und immer ein Ohr für mich hat. Und denn noch Ute. Gott, ich wünschte sie wäre meine Mutter. Immer wenn ich bei ihr bin habe ich dieses warme Gefühl. Sie ist umgeben von soviel Liebe und Wärme. Sie ist nicht nur die beste Hundenanny die es gibt , nein sie ist mehr Mama für mich als die Frau die mich geboren hat. Vor einiger Zeit hat sie mich zum Flughafen gefahren und stand solange am Sicherheits Check-In bis ich durch die Kontrollen war. Ich stand weinend am Flieger und habe Thomas angerufen um ihm das zu erzählen. Er sagte nur : Du hast auch eine Mama verdient.

Hatte ich das? Meine Mutter versucht seit vielen Jahren mich zu brechen. Ich glaube sie ist neidisch das ich nicht so ein Leben führe wie sie es tut. Nein ich lebe in geregeltenVerhaltnissen und ja ich habe mehr Geld zur Verfügung als sie im ganzen Leben hatte. Und Thomas hatte recht : ICH habe es verdient. Ich habe eine Mama verdient , eine Familie und ich habe es verdient glücklich zu sein.  Und damit fange ich jetzt wieder an.

Am Wochenende habe ich die Dosis meiner Medikamente erhöht. Jahre lang als Satanszeug verteufelt,hat mir das Antidepressiva sicherlich das Leben gerettet. Ich bin wieder ich, der Dämon ist nur noch selten da.

Und daher ist es ein guter Tag. Ich erlaube mir grad einfach glücklich zu sein mit meiner kleinen Familie. Ich Kuschel mich nun an Falk bevor es bald Zeit zum schlafen ist.

Mein Glück fängt bei mir an. Ich bin unbesiegbar.  Die Depression ist ein Teil von mir aber nur ein sehr kleiner.

Meine Zeit ist jetzt.